QUIXOTE
ODER DER VERSUCH,
ERFOLGREICH ZU SCHEITERN
kraut_produktion / Michel Schröder
Regie: Michel Schröder
mit: Ariane Andereggen, Nils Torpus, Herwig Ursin, Sandra Utzinger, Markus Wolff
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme:
Nic Tillein
Video: Roland Schmidt
Künstlerische
Mitarbeit: Martin Roth
Licht:
Christa Wenger (Blendwerk)
Produktion: GO Theaterproduktion,
in Koproduktion mit dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich
"Michel
Schröder hat, und das ist sein Kapital, nebst dem stilsicheren Bischoff
bestbewährte Protagonisten zur Seite: Herwig Ursin als einen um
den Verstand gebrachten Schwärmer, Phil-I-Studenten oder Quixote;
Sandra Utzinger als Olivia Newton John, die uns spanisch vorkommt, dazu
Ariane Andereggen, Nils Torpus und Markus Wolff als Ritter der todtraurigen
Gestalten. Sie sind die Statisten, Spielfiguren und Kopfgeburten von
Ursin, einem sinnlos Rasenden, der mit dem Personal seine Sehnsucht nach
dem grossen Abenteuer, nach dem grossen Gefühl inszeniert. Nic Tillein
hat Quixotes Spiel-Material in typisierte Kostüme gepackt, in denen
sie aus einem Märchen geschlüpft sind (Andereggen) oder aber
aus einem Batman-Comic gefallen (Wolff) (...)
Wenn Cervantes' Ritter seinen Realitätssinn ob allzu viel Lektüre
verlor, verliert ihn dieser Quixote auch über dem, was er an Filmbildern
und Musikträumen inhaliert hat. Schmidt wird sie auf die Wände
projizieren, die Klischees von Cowboy-Abenteuern und «Grease»-Liebe.
Gefühl ist Kampf, das zeigen Andereggen und (der hier unterbeschäftigte)
Torpus wunderschön. Wenn er Zärtlichkeit fühlt, befällt sie
ihn wie ein Krampf, und er muss seine Dulcinea zu Boden ringen. Selbst Hand anzulegen
an dem, was man Leben nennt, das ist die einzige Hoffnung, die Schröder intakt
lässt. Also kurbelt Quixote am Ende die Schönwetterwolke eigenhändig
vom Himmel und macht uns glauben, dass das Glück doch dem Tüchtigen
gehört - dem tüchtigen Träumer. "
NZZ 10.12.05 Daniele Muscionico
"...
In einer wüsten Landschaft aus Pappe und Holzpaletten zieht ein Quintett
in die selbst erfundene Schlacht, bis das uns allen ein Weihnachtstor aufgeht,
ein riesengrosses. Die Inszenierung von Michel Schroeder und kraut_production
nimmt die Perspektive von erwachsenen Kindern ein, die beschliessen etwas zu
werden, das heisst etwas wichtiges zu machen: Jeder auf seine Weise, mit seiner
Pose für ie Welt und weitgehend unabhängig von den anderen - und von
den Realitäten der Welt sowieso - spielen sie ihr persönliches Ritter-
oder Edelfräuleinspiel. Ihr Bühnenspielplatz unterstützt mehrere
Wahrnehmungen, er ist spanische Hochebene mit surrealem, ausgestopften Käuzchen,
er ist Schrottplatz mit alten ?Heizungsgebläsen, er ist Dachboden mit verstreuter
Plattensammlung, oder wo auch immer, wir uns hinträumen - und dementsprechend
mehrdeutig sind die Einzelszenen auf der Bühne, weil es beispelsweise sowohl
ein Objekt auf dem Schrottplatz oder ein grösserer Stein sein kann, auf
dem eines der Edelfräuleins balanciert. Dass in seiner ganzen Nichtigkeit
das Quixotieren trotz allem vieldeutig ist, gehört zu den besonderen Merkwürdigkeiten
desAbends, die sich nicht immer einer Interpretation erschliessen. Der versprochene
poetische Frontalangriff auf unser Wertesystem findet dabei aber nicht statt,
eher schon eine psychotherapeutische Applikation zum Lösen von Verkrampfungen..."
Zurich's Cynical Theatre Guide - _The Web Voice on Theatre Zrcher Theatersaison
2005/06 copyright by Reinhard Riedl
Premiere: 10.12.2005 Theaterhaus Gessnerallee Zürich
Gastspiel: Kaserne Basel 8.4 / 9.4.06 Basel
PREMIERENFEIER PHILMLI !!!!
SÄMTLICHE
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